Andy Wardley
<abw@kfs.org>
deutsche Übersetzung: Michael Hildebrandt
<M.Hildebrandt@wolfsburg.de>
Zusammenfassend:
Betrachten wir als erstes die klassische statische Waage, wie in
Bild 1 zu sehen. Drei Waageleinen laufen auf einen zum
Drachen fixen Punkt zu. Dieser Punkt ist der Zugpunkt, von dem
üblicherweise ein weiterer kurzer Schenkel zur Brefestigung der
Flugschnüre abgeht (grün gezeichnet)
Die meisten zweileinigen Drachen erlauben in gewissen Grenzen eine Verstellung der Waage indem die relativen Längen der Waageschenkel gekürzt oder verlängert und dadurch die Flugeigenschaften des Drachen verändert werden. Im allgemeinen ruft eine Verschiebung des Zugpunktes relativ zum Drachen folgende Änderungen im Flugverhalten hervor:
wie bei dynamischen Waagen üblich erlaubt die Aktiv-Waage eine Bewegung des Zugpunktes bei der alle Waageschenkel straff sind. Das ist notwendig für optimale Kontrolle des Drachen und für optimales Ansprchverhalten auf jegliche Zugbewegung des Piloten. Für eine Bewegung des Zugpunktes an einer statischen Waage muß ein oder mehrere Schenkel spannungsfrei sein. Der Konstruktionsvorteil der Aktiv-Waage ist, so viel Bewegung wie nötig zu erlauben um das Flugverhalten zu verbessern und dabei die Waage in Form und Spannung zu behalten.
Der erste zusätzliche Schenkel ist der Stabilisator, rot gezeichnet zu sehen in Abb. 2. Er stellt eine Verbindung zwischen zwischen oberem und den unteren Schenkeln her.
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| Diagram 2: Stabilisator | Diagram 3: Aktivator |
Der zweite zusätzliche Schenkel, der "Aktivator", rot in Abb. 3 gezeichnet, verbindet die inneren und oberen Schenkel und zieht sie etwas zusammen.
Abbildung 4 zeigt den Effekt des Stabilisators in der Bewegung
des Zugpunktes in Richtung Leitkante oder Kielsatb. Die Auswirkungen sind
folgende:
Abbildung 5 zeigt die Auswirkungen des Aktivators auf den
Anstellwinkel des Drachen indem der Zugpunkt sich auf und ab
bewegt.
Dynamische Waagen hatten vor einiger Zeit zu erfolgreichen Verbesserungen im Freestyle-Flug geführt, allerdings zu Lasten der Präzision. Sorgfältige Analysen der Dynamik eines Drachen in verschiedenen Situationen (Geradeausflug, Drehungen, Stalls, Axel´s und Flat Spins, Flic-Flacs, Fades usw.) haben den Wunsch nach Bewegung in jeder Lage an der Waage aufgezeigt. Die Aktiv-Waage ist so konstruiert, das sie sich nicht nur bewegt, sondern die jeweilige Bewegung auch noch in der erforderlichen Richtung ausführt. Wenn es möglich ist, die Bewegungen, wie vorab beschrieben, in vertikale und horizontale Komponenten zu zerlegen, ist es wichtig zu erkennen, das das die kombinierte Bewegung, wenn sie sorgfältig in Größe, Form und aerodynamischen Qualitäten des Drachen abgestimmt ist, dem Piloten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten in Bewegungen und Kontrolle eines Drachen bringen.
Die speziefischen Bewegungen der Aktiv-Waage sowie die auftretenden Effekte werden im weiteren Text detailliert beschrieben:
Ein Drachen mit einer statischen Waage wird am Besten stallen wenn die Zugpunkte nach unten getrimmt sind. Das drückt die Nase vom Piloten weg und reduziert den Vorwärtsdrang. Der Segeldruck verteilt sich mehr auf den oberen Teil des Drachen weil der größere Teil des Luftstroms über die Drachennase und die Leitkanten geführt wird. Diese Kraft, die oberhalb des Schwerpunktes des Drachen wirkt senkt die Tendenz seitlich wegkippen zu wollen.
Beim Stall mit einer Aktiv-Waage wird die Nase zum Piloten geneigt. Mehr Luft strömt nun über die Schleppkante und der relative Druck ist mehr unterhalb des Schwerpunktes konzentriert. Das ergibt einen stabieleren Stall und der Drachen zeigt weniger Neigungen zum Abkippen.
Bei nachlassendem Druck wird durch die Aktiv-Waage die Nase zum Piloten geneigt. Wenn die Leinen Durchhang bekommen, typisch, wenn ein Stall ausgeführt wird, erzeugt der fehlende Druck eine Aufwärtsbewegung des Zugpunktes, die Nase wird eingezogen. Der Anstellwinkel erreicht einen Punkt, in dem der Vortrieb fehlt, der Drachen macht einen Eindruck, als sei er in der Luft "geparkt". Wenn die Leinen ohne Spannung bleiben wird der Drachen in der gestallten Position verharren.
Eine Verminderung des Durchhangs der Leinen erhöht den Segeldruck und die Aktiv-Waage verschiebt den Zugpunkt nach unten und erlaubt so ein zurückkippen der Nase vom Piloten weg. Dieses ermöglicht dem Drachen Druck aufzubauen und zu steigen. Der Übergang zwischen Stall und Flug ist schnell, bestimmt und knackig. Man sieht kein Nicken der Nase wie es bei Turbo-Waagen üblich ist.
Die Kontroole des Anstellwinkel durch die Aktiv-Waage erlaubt dem Piloten nicht nur die Position im Stall einzustellen oder zu korrigieren, sie hilft auch beim Side-Slide die Höhe zu halten. Um einen unkorrekten Stall zu korrigieren oder einen Übergang zum Side-Slide einzuleiten ist nur ein leichter Leinendruck notwendig. Im normalen Flug würde eine solche Bewegung eine Drehung des Drachen hervorrufen. Ein leichter Zug an der Leine während eines Stall bewirkt eine Bewegung des Stabilisators in Richtung Leitkante. Der Zugpunkt verbleibt in einer hohen Position oberhalb und außerhalb des Schwerpunktes. Das hat den Effekt, das die Leitkante angehoben wird, was dem natürlichen Drehmoment, das durch den Leinenzug hervorgerufen wird, entgegenwirkt.
Dieses wird in Abbildung 6gezeigt.
Wenn man einen Drachen im Tip-Stand hält, während eiens Tip-Drag
oder während eines Leading-Edge-Drag wird der Zugpunkt ebenfalls nach
oben und außen bewegt wenn Zug auf die Leine kommt. Das hilft den
Drachen zu stabilisiern und die Nase genügend anzuheben um der
Tendenz nach unten zu drehen oder auf dem Boden hängen zu bleiben.
Zu sehen in Abbildung 7.
Die Aktiv-Waage bewirkt hier, wenn die Leinen durchhängen, das der Zugpunkt angehoben wird und die Nase nach vorn zum Piloten kippt. Der zum Axel vorbereitende Leinendruck bewirkt hier, das die Nase zum Übergang in den Trick schnell gesenkt wird.
Dei Bewegung in der Aktiv-Waage erlaubt es dem Piloten früher die Leinen zu spannen und kontrolliert in den axelähnliche Tricks einzugreifen. Mehrfach-Axels und Mehrfach-Flat-Spins gelingen einfacher weil die Waage falsche oder zu einem falschen Zeitpunkt gesetzte Zugbewegungen kompensiert. Der Bereich, in dem ein Eingriff in den Trick notwendig ist wird, dadurch größer, es wird einfacher die Tricks auszuführen und die Tricks sehen eleganter aus.
Fades, Flic-Flacs und Fountains
Die mit Aktiv-Waage ausgeführten Bewegungen wirken weicher und definierter. Sie bewirkt eine saubere, mehr kontrollierte Durchführung die nur wenig oder garnicht an Höhe verliert. Ein "aktivierter" Drachen rastet in einen Fade ein und hält ihn besser als ein normaler Drachen. Diese Verhalten schränkt die Möglichkeiten beim Flic-Flac ein, die Aktiv-Waage kennt diese Einschränkung nicht. Es ist möglich aufsteigende Fades und aufsteigende Flic-Flacs mit dem gleichen Drachen durchzuführen, ohne auch nur ein Mal die Waage zu verstellen.
Die Aktiv-Waage kann auch die Durchführung von Cascades und Fountains spürbar verbessern. Die drei Schritte "Pop, Pause und Pull" werden durch die Waage wesentlich einfacher umgesetzt, erlauben eine präzise Kontrolle der Cascade und reduziert den Höhenverlust während des Manövers. Das erlaubt dem Piloten längere Cascades zu fliegen und eher zu dem Punkt zu kommen, das der Drachen an Höhe gewinnt: die Fountain. Die funktioniert mit der Aktiv-Waage wesentlich einfacher.
Es gibt eine Menge Vorteile, die die Aktiv-Waage mit sich bringt, so wie die hier bereits Diskutierten. Die Waage scheint in nahezu jeder Position positive Auswirkungen auf das Flugverhalten zu haben. Dadurch steht einer Erweiterung des Horizonts in Sachen Entdeckung neuer Dinge, die mit einem Drachen wirklich möglich sind, nichts im Wege.
Mit einer Aktiv-Waage erlaubt ein Drachen Eingriffe in nahezu jeder Position am Himmel (und in vielen Fällen auch am Boden), er bleibt immer kontrollierbar und berechenbar. Das ermöglicht viele bestehende Tricks in neuer Art und Weise auszuführen.
Es gibt Nachteile, wie auch immer, aber diese offenbaren sich in Design, Konstruktion und Verständnis einer Waage-Ausführung.
Der Fakt, das diese Waage komplexer ist als eine statische oder eine andere dynamische Waage ist, bringt die Schwierigkeit mit sich diese Waage für einen speziellen Drachen zu konstruieren. Es gibt mehr Möglichkeiten etwas zu verstellen, mehr Parameter die einzustellen sind und mehr für den Konstrukteur zu verstehen, da man erkennen muß welche Änderung zu welcher Auswirkung führt.
Um das Problem auf den Punkt zu bringen: Die Aktiv-Waage ist sensibler einzustellen als die meisten anderen Waagen. Es ist ein Leichtes einen Drachen zum Fliegen zu bringen, ein schwieriger Part ist das das notwendige Feintuning um die richtige Balance der Waagemöglichkeiten zu finden. Einen Drachen in den Fade und in den Flic-Flac zu bekommen , was Präzision und Trickmöglichkeit voraussetzt, einen Drachen der gut stallt zu bekommen ohne seine Standfestigkeit zu verlieren, sowie guter Geradeausflug sind Beispiele, die verschiedene Charakteristiken aufzeigen, die ohne Kompromisse erreicht werden sollen. Und das in angemessener Zeit, mit Geduld und Verständnis.
Hiermit gebe ich die Erlaubnis für jede Person die Aktiv-Waage unter folgenden Bedingungen zu verwenden oder abzuändern:
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